Was ist DISG
DISG (international DISC) ist ein Verhaltensmodell, das beschreibt, wie ein Mensch handelt, kommuniziert und entscheidet, und zwar auf vier Skalen: Dominanz, Initiative, Stetigkeit und Gewissenhaftigkeit. Es ist weder ein Intelligenztest noch eine Diagnose, sondern eine gemeinsame Sprache, um über Verhaltensstile zu sprechen.
Woher das Modell kommt
Die Grundlage legte der amerikanische Psychologe William Marston in seinem Buch „Emotions of Normal People“ (1928). Er beschrieb vier Reaktionstypen, die davon abhängen, ob ein Mensch seine Umgebung als günstig oder feindlich wahrnimmt und ob er sich den Umständen gegenüber stärker oder schwächer fühlt. So entstanden vier Dimensionen: Dominance, Inducement (später Influence), Submission (später Steadiness) und Compliance (Conscientiousness).
Einen Fragebogen hat Marston selbst nie entwickelt. Die ersten Instrumente auf Basis seines Modells entstanden in den 1950er- bis 1970er-Jahren (Walter Clarke, John Geier); heute gibt es Dutzende Varianten. Der Name DiSC® mit kleinem „i“ ist eine Marke des Verlags Wiley; unser Test ist eine unabhängige, kostenlose Version auf Grundlage desselben Vier-Faktoren-Modells.
Was DISG misst
Am einfachsten stellt man sich das Modell als zwei Achsen vor. Die erste ist das Tempo: Manche Menschen handeln schnell und energisch, andere bedacht und vorsichtig. Die zweite ist der Fokus: Manche konzentrieren sich auf Aufgaben und Ergebnisse, andere auf Menschen und Beziehungen. Die Kreuzung der Achsen ergibt vier Stile: D ist schnelles Tempo und Aufgabenfokus, I schnelles Tempo und Menschenfokus, S bedachtes Tempo und Menschenfokus, C bedachtes Tempo und Aufgabenfokus.
Jeder Mensch trägt alle vier Stile in sich; nur die Gewichtung ist verschieden. Das Profil zeigt, welche Stile im gewohnten Arbeitsverhalten am häufigsten sichtbar werden und welche Anstrengung kosten.
Die vier Stile in Kürze
D, Dominanz: Ergebnisse, Kontrolle, Tempo, Bereitschaft zum Konflikt. I, Initiative: Kommunikation, Begeisterung, die Fähigkeit, andere mitzureißen. S, Stetigkeit: Unterstützung, Verlässlichkeit, Geduld, Stabilität. C, Gewissenhaftigkeit: Genauigkeit, Qualität, Regeln, Orientierung an Fakten. Im Deutschen heißt das Modell deshalb DISG (G für Gewissenhaftigkeit); wir verwenden die internationalen Buchstaben D, I, S, C.
Eine ausführliche Beschreibung jedes Stils mit Merkmalen, Stärken, Entwicklungsfeldern, Motivation und dem besten Weg der Kommunikation finden Sie auf der Seite „Vier Stile“. Die Kombinationen aus Haupt- und Nebenstil ergeben 16 Profile, jedes mit eigener Seite.
Wie der Test abläuft und wie das Ergebnis berechnet wird
Der Test besteht aus 24 Blöcken mit je vier Aussagen. In jedem Block markieren Sie die Aussage, die am meisten auf Sie zutrifft, und die, die am wenigsten zutrifft. Jede Aussage gehört zu einem der vier Stile.
Für jeden Stil wird die Differenz zwischen den Markierungen „am meisten“ und „am wenigsten“ berechnet: von −24 bis +24. Der Stil mit dem höchsten Wert wird zum Hauptstil. Ein Nebenstil zählt, wenn sein Wert positiv ist und mindestens 40 % des Hauptstils erreicht (mindestens 3 Punkte). Das Diagramm zeigt drei Linien: das „angepasste Verhalten“ (Markierungen „am meisten“), das „natürliche Verhalten“ (Markierungen „am wenigsten“, umgekehrt) und das Gesamtprofil.
Wie man ein Profil liest
Der Hauptstil ist die gewohnte Art zu handeln, die automatisch einsetzt. Der Nebenstil fügt eine Nuance hinzu: Ein D mit Nebenstil I überzeugt zum Beispiel mit Schwung und Begeisterung, ein D mit Nebenstil C mit Anspruch und Argumenten. Werte über der Mitte (50 %) gelten als ausgeprägt.
Kein Profil ist gut oder schlecht: Jeder Stil hat Stärken und Entwicklungsfelder. Es ist auch kein Urteil: Verhalten hängt von Kontext, Rolle und Erfahrung ab, deshalb können sich Ergebnisse im Beruf und zu Hause unterscheiden, und ein Profil kann sich in ein bis zwei Jahren verschieben. Ein ausgeglichenes Profil, bei dem kein Stil hervorsticht, spricht meist für Flexibilität, seltener für unsichere Antworten.
Wo DISG eingesetzt wird
Teams nutzen DISG, um zu verstehen, warum Kolleginnen und Kollegen unterschiedlich reagieren, und um Regeln für die Kommunikation zu vereinbaren. Führungskräften hilft das Modell, ihren Stil anzupassen: Manche brauchen Freiheit und Herausforderung, andere klare Erwartungen und Zeit zur Eingewöhnung. In Vertrieb und Verhandlung zeigt DISG, wie man mit einem Menschen in seiner Sprache spricht.
In der Personalauswahl eignet sich DISG als Gesprächsthema und Orientierung, aber nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage: Das Modell beschreibt Verhaltenspräferenzen, nicht Kompetenzen oder die Eignung für eine Stelle.
Grenzen der Methode
DISG ist eine Selbsteinschätzung: Das Ergebnis spiegelt wider, wie Sie sich selbst sehen, und hängt von Ehrlichkeit und Stimmung ab. Ein kurzer Fragebogen liefert eine Orientierung, keine exakte Messung. Betrachten Sie das Profil daher als Ausgangspunkt für Reflexion und Gespräch, nicht als Diagnose. Wenn das Ergebnis unpassend wirkt, wiederholen Sie den Test, antworten Sie schnell und denken Sie an Situationen aus dem Arbeitsalltag.
Quellen und Literatur
Die Aussagen zur Methode auf dieser Seite stützen sich auf die folgenden Arbeiten: Marstons Primärquelle, die frühen Fragebögen, das Handbuch des Verlags zur heutigen Fassung von DiSC® sowie unabhängige Studien, darunter kritische. Die Links führen zu den Originalen oder zu den Einträgen der Arbeiten in wissenschaftlichen Datenbanken.
- PrimärquelleMarston W. M. Emotions of Normal People. — London: Kegan Paul, Trench, Trubner & Co., 1928.
- Geschichte der MethodeClarke W. V. The Construction of an Industrial Selection Personality Test // The Journal of Psychology. — 1956. — Vol. 41, № 2. — P. 379–394.
- Handbuch des VerlagsScullard M., Baum D. Everything DiSC Manual. — Hoboken: Wiley, 2015. — ISBN 978-1-119-08067-1.
- StudieMeade A. W. Psychometric problems and issues involved with creating and using ipsative measures for selection // Journal of Occupational and Organizational Psychology. — 2004. — Vol. 77, № 4. — P. 531–552.
- StudieSalgado J. F., Anderson N., Táuriz G. The validity of ipsative and quasi-ipsative forced-choice personality inventories for different occupational groups: A comprehensive meta-analysis // Journal of Occupational and Organizational Psychology. — 2015. — Vol. 88, № 4.
- StudieJones C. S., Hartley N. T. Comparing Correlations Between Four-Quadrant and Five-Factor Personality Assessments // American Journal of Business Education. — 2013. — Vol. 6, № 4. — P. 459–470.
- StudieMcCrae R. R., John O. P. An Introduction to the Five-Factor Model and Its Applications // Journal of Personality. — 1992. — Vol. 60, № 2. — P. 175–215.
- StudieBarrick M. R., Mount M. K. The Big Five Personality Dimensions and Job Performance: A Meta-Analysis // Personnel Psychology. — 1991. — Vol. 44, № 1. — P. 1–26.
- Kritische AuseinandersetzungPittenger D. J. Cautionary Comments Regarding the Myers-Briggs Type Indicator // Consulting Psychology Journal: Practice and Research. — 2005. — Vol. 57, № 3. — P. 210–221.
- StudieRoberts B. W., Walton K. E., Viechtbauer W. Patterns of Mean-Level Change in Personality Traits Across the Life Course: A Meta-Analysis of Longitudinal Studies // Psychological Bulletin. — 2006. — Vol. 132, № 1. — P. 1–25.
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